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Kraniche – Sammelstation in Zingst

Ein sehr guter Freund, ihr kennt ihn auch (hatte den Beitrag über die Lofoten geschrieben), hat mir berichtet, dass sich im Oktober die Kraniche in Zingst sammeln, stärken und von dort nach Frankreich (Spanien und Nordafrika) aufbrechen.
Nun hatte ich gerade 3 Tage Urlaub und keine spannenden Unternehmungen geplant. Also kurzerhand paar Klamotten gepackt und auf ging es nach Zingst. So eine stattliche Anzahl von Kranichen wollte ich schon immer mal sehen. Ist es doch schon überaus sehenswert einen Schwarm Stare zu beobachten.
Dann muss das doch ein unglaubliches Glücksgefühl sein, diese wunderschönen, majestätischen und großen Vögel über einen drüber weg fliegend zu betrachten.

Google Maps meinte die Strecke ist in 5 Stunden und 48 Minuten zu bewältigen. Keine Hürde also.
Baustellen waren natürlich nicht eingeplant, sind aber in ausreichendem Maße vorhanden. Geplant hatten wir eine Übernachtung und am nächsten Tag wieder nach Hause zurück. Doch uns hatte es sooooo gut gefallen, dass wir noch eine Übernachtung dran gehängt haben.


Je näher wir unserem ursprünglichen Ziel kamen, desto unruhiger wurde ich. Schon von weitem konnte man Kraniche vorbeifliegen sehen. Paar wenige flogen auch fast über uns drüber und ich konnte mein allererstes Kranichbild machen. Man war das ein eindrucksvoller Moment.
Am frühen Nachmittag manövrierten wir unser Auto durch den Ort Hermannshof (Bertelshagen II bei Barth) und gleich beim Ortsausgangsschild konnten meine Augen die lang ersehnten Objekte erspähen? Ein abgemähtes Maisfeld mit vielen vielen Kranichen und immer noch flogen mehr dazu.
Unglaublich schön war das. Flugs die Kamera gezückt und schon konnte ich die Vögel des Glücks fotografieren.
Alle Köpfe der Vögel waren tief und auf der Suche nach Nahrung. Wir hatten gelesen, wenn sie die Köpfe in die Luft strecken und schauen, fühlen sie sich gestört. Dann ist man zu weit in ihre Intimsphäre gedrungen. Noch schlimmer ist es, wenn man sie unnötig verscheucht, denn durch den Flug verbrauchen sie unnötig Energie, welche sie für ihren Zug in den Süden brauchen.
Auch die Geräuschkulisse war unbeschreiblich und satt sehen konnte ich mich erst recht nicht an diesem Schauspiel.
Wenn sie zur Landung ansetzen, sieht das richtig lustig aus. Sie schweben so langsam zur Erde und ihre ausgebreiteten Flügel bilden den Fallschirm. Auch bei Adlern konnte ich das schon so beobachten.
Auch wenn mein 70-200 Objektiv mit Konverter Faktor 2,0 nicht mit den „großen“ Objektiven zur Wildlife Fotografie mithalten kann, habe ich keinen Grund zu meckern.
Freunde, es ist einfach unglaublich schön, diese Vögel zu fotografieren. Doch auch wenn dies nicht möglich wäre, ist es die Erfahrung dabei zu sein, die zählt. Zu spüren, zu sehen und zu fühlen. Dieser elegante Flug und die Landung, welche mich an Fallschirmspringer erinnert, ist so faszinierend.















Irgendwie konnte ich mich gar nicht losreißen. Doch ich wollte ja noch zum abendlichen Treffpunkt der Kraniche eilen um zu sehen, wenn sie alle einfliegen.
Deshalb sputeten wir uns und los ging die Fahrt.












Wir kamen rechtzeitig dort an und konnten, mit vielen anderen Leuten, einige Schwärme einfliegen sehen. Doch so richtiges Feeling kam nicht auf, weil wohl doch der Großteil der Kraniche nicht geflogen kamen. Außerdem war der Standort für mein Teleobjektiv und auch für viele Ferngläser nicht stark genug. Alle Blicke gingen sehnsüchtig gen Himmel in die Richtung aus der die Kraniche einfliegen sollten.
Nun, das Resultat könnt ihr hier sehen. Spektakulär ist was anderes.







Nachdem es anfing dunkel zu werden, konnten wir schweren Herzens der Wahrheit ins Auge sehen, dass die Kraniche nicht mehr auftauchen werden und es keinen Zweck mehr hatte, noch weiter zu warten.
Im Hotel „Seebrücke“ wurden wir schon erwartet und freundlich begrüßt. Das Abendessen war super lecker und müde von der Fahrt konnten wir dann recht schnell, in unserem hübschen Hotelzimmer (mit einer Dusche die den Namen auch verdient hat), in den Schlaf finden.

Früh morgens bin ich gleich an den Strand. Ein Muss im Urlaub, wenn man den Strand nicht mit vielen Touris teilen möchte. Wind der durchs Haar weht, Füße im Sand und Blick gen Horizont gerichtet.
Wahrhaftig, so fühlt man die Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns.
An diesem Morgen war es auch möglich, einen wunderschönen Sonnenaufgang zu erleben und auf Fotos zu verewigen.
Ein Fotomotiv ist auch die Seebrücke (incl. der Tauchglocke) die im morgendlichen Sonnenlicht wunderschön geglüht hat.
Übrigens liegt das Hotel „Seebrücke“ nur hinter einer Düne und einer Straße. Man ist als ruck zuck am Strand.







Nach dem sehr sehr leckeren und reichhaltigen Frühstück war die Sonne auf Tauchstation gegangen und hat einem leichten Nieselregen Platz gemacht.
Trotz allem hatten wir uns ein Rad ausgeliehen um zur Hohen Düne zu radeln. Bevor einer von euch fragt, kein E-Bike, sondern noch ein echtes Rad mit Muskelkraft zu betreiben.
Was natürlich den Nachteil hat, dass man nicht so zügig voran kommt, aber eben auch mehr von der schönen Landschaft wahr nimmt. Wir haben sowieso öfter das Rad an die Seite gestellt. Fotomotive gibt es in Hülle und Fülle.
So war es auch nicht verwunderlich, dass wir nicht rechtzeitig den Durchgangsweg passiert haben und ab 15:00 Uhr aufgrund der Kraniche dort nicht weiter durften. Der Zugang war gesperrt.
Also alles wieder zurück, ohne die Hohe Düne gesehen zu haben. Der Nieselregen hatte deutlich zugenommen und wir kamen ziemlich durchnässt im Hotel an.
Zum Abendessen ging es in die „Strandkate“. Mehr Zufall als gewollt. Kurz vor Küchenschluss wurden wir sehr freundlich empfangen und durften auch noch Essen bestellen. Die Ofenkartoffel hatte es uns angetan und war dann auch sehr lecker. Ein echtes Highlight die Gaststätte und sehr zu empfehlen. Alle Mitarbeiter waren ausgesprochen zuvorkommend und nett. Das eigentlich anvisierte Lokal, „Zur Alten Filmkiste“ hatte geschlossen.





Graureiher






Kormorane


Oh, Stare gibt es hier auch…




Wo kommen die denn jetzt her…Wildgänse

Der könnte glatt in eine Filmkulisse mit eingebaut werden.


Nächster Tag.
Vor dem Frühstück bin ich wieder an den Strand. Den schönen Sonnenaufgang musste ich mir dieses Mal allerdings denken. Wiederum ist es auch so schön, den Wellen zuzuschauen und seinen Blick in die Ferne schweifen zu lassen.
Als der Magen seinen Unmut kundgetan hatte, ging es zurück zum Hotel und nochmal das leckerste Frühstück genießen, das ich seit langem hatte.
Aufbruch war dann nach dem Frühstück.
Auf dem Heimweg wollten wir unbedingt noch nach Ahrenshoop und dort den Strand anschauen. Zum Glück, denn dort hatten wir noch ein Erlebnis der besonderen Art.
Zuerst ging es aber an den Strand. Von dort soll man spektakuläre Sonnenuntergänge beobachten können.
Der Strand ist bezaubernd mit der Steilküste und im Vordergrund die bewachsenen Dünen, das herbstlich gefärbte Laub der Sträucher und dort angespülte Baumstämmen. Oh ja, da kann man sehr viel Zeit verbringen.
Doch die eigentliche Überraschung kam ja erst noch.



So von oben herab


Alle meine Möwen, schwimmen auf der See… (Wer kennt das Kinderlied?)




Irgendwer stört immer im Bild







Und jetzt möchte ich diese paar unglaublichen Minuten mit euch teilen. Seid gespannt!!!
Als ich die Treppe hoch kam wurde ich mit Zeichensprache gewarnt, dass ich mich sehr langsam und unauffällig bewegen soll.
So richtig war ich gar nicht bei der Sache und konnte kaum glauben, als mir ein junger Fuchs entgegen gelaufen kam. Die Kamera hatte ich noch in der Hand. Lasst es mich mal so sagen… Perfektes Motiv aber das Objektiv nicht.
Gewagt, aber langsam ließ ich den Rucksack auf den Boden gleiten und wechselte das Objektiv.
Todesmutig (ich hätte ja auch gefährlich sein können) lief Herr Reineke trotzdem genau auf mich zu und dann an mir vorbei weiter den Weg entlang. Schaut ihn euch an! Was für ein hübscher Kerl. Ich schwöre, wenn ich ein Stückchen Fleisch gehabt hätte, er hätte es mir aus der Hand gefressen. Meine Aufregung könnt ihr deutlich an folgendem Foto entdecken, da es nicht perfekt scharf ist.


Handyfoto… Bestimmt wollte er sehen, ob ich was zu fressen für ihn habe.

Seht ihr wie dicht er an mir vorbei ist (auch ein Handyfoto)?


Dann war er erstmal verschwunden. Dermaßen aufgedreht konnte ich mich aber noch nicht entschließen zum Auto zurück zu gehen. Meine Geduld wurde belohnt und der süße Fuchs ließ sich nochmal in einem Grundstück in der Nähe blicken. Gar nicht satt sehen konnte ich mich an ihm. Bevor er dann endgültig verschwand, konnte ich noch einige Fotos machen.



Nun war ich restlos glücklich und beschwingt und wir konnten die weitere Heimreise antreten.


Zum Abschluss noch die Bilder vom Strand in Ahrenshoop.



Füße sind nass geworden










Fazit: Zwei wunderschöne Tage mit vielen außergewöhnlichen Momenten und Erlebnissen, die ich nie wieder vergessen werde und die mir so unendlich viel gegeben haben.
P.S. Unsagbar traurig ist es, was den Kranichen zur Zeit passiert. Er gilt als der Vogel des Glücks und jetzt braucht er es selbst. Sehr viel sogar. Tragisch, dass die glücklichen Trompetenrufe der Kraniche, jetzt wie eine Todesmelodie klingen. Die majestätischen Flüge der Kraniche so getrübt werden, von den deprimierenden Meldungen über das jämmerliche Ableben der Vögel.
Ein unsagbares Gefühl von Trauer beschleicht einen, dass man vor Kurzem noch diese bezaubernden Vögel fotografiert hat und jetzt verenden soooo unendlich viele von ihnen. Selbst wenn sie nicht bei uns sterben, sind sie nicht sicher. Denn die Vogelgrippe grassiert auch in Frankreich und Spanien. Viele tausend Kraniche werden wohl noch ihr Leben lassen müssen.



Falknerei Herrmann – the best

Wenn es um die beste Falknerei geht, gibt es für mich nur eine Option. Die Falknerei Herrmann in Plauen.
Dort spürt man, wie wichtig ein gut funktionierendes Team ist (Mitarbeiter, welche ihre Liebe und Hingabe den Tieren zeigen), wo Leidenschaft, Fürsorge, Pflege und Haltung der Greifvögel an erster Stelle stehen, wo gezeigt wird, dass jeder Vogel seine Bestimmung hat und das Wohl der Gäste wichtig ist.

In der Falknerei bahnt sich so langsam der Saisonschluss an. Zögert also nicht zu lange, wenn ihr euch einen entspannten und lehrreichen Nachmittag nicht durch die Lappen gehen lassen wollt.
Schnappt euch die Oma, zerrt eure Kinder vom PC weg, ladet eure Ehefrau auf einen lustigen und wissensreichen Nachmittag ein und besucht die Falknerei Herrmann.

Endlich geht es los und ich darf fliegen.

Die Landebahn ist eindeutig zu kurz. Wo ist mein Platz?

Hm, schmeckt lecker.


Lasst euch entführen in eine Welt, wo die Thermik eine bedeutende Rolle spielt!
Es wartet das schnellste Tier der Welt darauf euch sein Können zu zeigen. Wisst ihr schon, welches Tier gemeint ist?
Strengt eure Ohren an und lauscht dem Flug der Eulen! Hört ihr was?
Schaut den Adlern hinterher wenn sie majestätisch durch die Lüfte gleiten!
Lernt die Gesundheitspolizei der Natur kennen!
Schätzt mal, wieviel ein Bartkauz wiegt!
Spürt die Herzenswärme, Begeisterung und Verbundenheit zu den Greifvögeln, welche durch die Vorführung von Hans-Peter Herrmann gezeigt wird!

Was machst du denn? Bringst mein Federkleid total durcheinander, du Falkner!

Augenvergleich. Blaue Augen bedeuten rein, schön und unnahbar und gelbe Augen sonnig, fröhlich und warmherzig.

Du Alter, das war vorhin definitiv ein Schnaps zu viel.

Wenn Blicke töten könnten!!!

Hups, hier war doch gestern noch ein Baumstamm.

Kopf tief! Bin im Landeanflug!!!

Gefangen. Ich hab den Schwan.

Du sollst mich nicht schon wieder zeckeln!!!

Huch, das schaukelt aber heute gewaltig.

Ja warum fliegen, wenn man doch so gemütlich in der Hand sitzen kann. 😉

Nun lass doch endlich los! Letztendlich gewinne doch sowieso ich.

Ich seh dich!!!

Punktlandung

Achtung, der Kinderbringer setzt zur Landung an!

Wer hat wohl heute nicht richtig ausgeschlafen? Wer hat wohl den mürrischsten Blick der Falknerei? Ja, ich…

Lass mich in Ruhe! Jetzt bin ich dir wieder gut genug. Warum durfte ich heute nicht mit in der Flugshow fliegen?

Ich hoffe, die Fotos und der Bericht haben euch Lust auf einen Ausflug in die Falknerei Herrmann in Plauen gemacht.
Es lohnt sich auch ein etwas weiterer Anreiseweg.

https://falknerei-herrmann.de/pages/de/start.php





Lofoten – Norwegen

Hallo,
ich bin Claus aus Hamburg und lese schon geraume Zeit auf dieser Seite mit. Auf Bitten von Sabine habe ich mich entschlossen, einmal einen Gastbeitrag zu meiner Lofoten-Reise im August dieses Jahres zu schreiben.
Erstmal ein paar allgemeine Dinge, die aber nicht unwichtig sind. Norwegen hat überall grandiose Landschaften und ist grundsätzlich relativ teuer. An den recht spärlich vorhandenen Tankstellen kostete Benzin und Diesel etwa 2 Euro pro Liter, Ladestationen von verschiedenen Anbietern für Strom sind deutlich mehr vertreten und etwa halb so teuer. Auch Lebensmittel sind deutlich teurer als hier. Eine 500 Gramm Packung Weintrauben kostete grob zwischen 5 und 6 Euro. Da oben haben die halt ein deutlich höheres Einkommensniveau.
Das Wetter ist durchaus launisch, man kann innerhalb kurzer Zeit alle Jahreszeiten durchleben. Es empfiehlt sich wirklich gute wetterfeste Outdoorkleidung und wasserfestes Schuhwerk. In Ortschaften reicht normale Kleidung und Sneaker oder so. Aber sowie du in die Natur gehst – und dass kommt öfter vor als man glaubt🙂 – fällst du mit Jeans fast auf. Der Boden ist überall felsig und die spärliche Vegetation oft durchnässt und matschig, da ist festes eingelaufenes Schuhwerk Pflicht. Wir hatten 2 Wanderungen eingeplant, die wir beide nicht gemacht haben. Einmal einen dreistündigen Tripp über Stock und Stein zu einem Traumstrand, Kvalvika Beach, weißer Sand und Karbikwasser, aber der Weg war viel zu nass und matschig und trotz Nebensaison verdammt voll. Außerdem haben wir überraschend viele andere Traumstände gesehen, mit denen wir in Norwegen gar nicht gerechnet haben. Das zweite war der Berg Reinebringen, etwa 450 Meter hoch meine ich. Es führen fast 2000 hohe Steinstufen da hoch. War uns als Hotspot zu voll und wir sind nicht fit genug so viele Treppen zu steigen. Und geregnet hat es auch. Dafür haben wir tolle Drohnenaufnahmen von der Aussicht 🙂👍🏻.
Weiterhin sollte man etwas Englisch können, ganz ohne geht gar nichts, man kann aber gut klarkommen. 
Zwingend erforderlich ist ein Smartphone und eine Kreditkarte, möglichst ohne Auslandseinsatzgebühren. Wir haben nicht einmal Bargeld in der Hand gehabt oder gesehen, dass andere es nutzen. Wenn wir beim Bezahlen sagten “ mit Karte bitte“ wurden wir belächelt oder gefragt wie denn sonst 😂.
Das Smartphone brauchst du zum Navigieren oder schnellem Übersetzen von Texten usw. und für jede Menge Apps die man braucht. Z.B. die verschiedenen Stromanbieter um das Laden des Autos zu bezahlen. Die Parkplatzapp „easypay“ ist dringend erforderlich, es wird an fast allen Stellen innerhalb der Orte und auch tatsächlich in der Pampa damit bargeldlos bezahlt. Nicht zu bezahlen wird teuer, die kontrollieren selbst in der Pampa intensiv. Ist dein Kennzeichen nicht registriert sind 900 Kronen, etwa 90 Euro plus die gebührenpflichtig nacherhobene Parkgebühr fällig. Auf die Fähren fährt man rauf und über die Registrierung bei Autopass werden die Fahrkosten und Mautgebühren abgerechnet. Leihwagen sind da registriert, private Autos müssen das selbst machen. Die Fluggesellschaft hat uns beim onlineeinchecken 2 oder 3 Tage vor dem Flug einen QR Code als Bordkarte geschickt. Damit haben wir uns dann selbst durch Scannen den Kofferaufkleber ausgedruckt, angebracht und das Gepäck selbst aufs Transportband gelegt, gescannt und ab gings in die Katakomben. Da war nur noch ein Mensch fürs Sperrgepäck da, alles über Apps mit dem Smartphone. Die sind deutlich weiter was das betrifft. Wir hatten überall Empfang, sogar in einem 8 km langen Tunnel durch einen 2000 Meter hohen Berg hatten wir 5G Empfang und konnten das Telefon problemlos nutzen.
Und man braucht Zeit, die Straßen sind Großteils sehr schmal und kurvenreich, man fährt langsamer und muss immer wieder dem Gegenverkehr ausweichen. Die Fahrtzeit ist überall etwa doppelt so lange wie hier. Einen Tag waren wir von Andenes nach Bodö mit einer einstündigen Fährfahrt und einem Stopp am Gezeitenstrom Saltstraumen 12 Stunden unterwegs. So, das sollte an allgemeiner Info erstmal reichen 😂.

Wir sind hier bei super Wetter gestartet und in Bodö bei Sturm und Regen angekommen. Da dann schnell den Leihwagen in Empfang genommen und zum Hotel. Eine kleine Runde durch Stadt und Hafengebiet bevor es in eine sehr gemütliche Pizzeria mit oberleckeren Pizzen und danach ins Bett ging. Am nächsten Morgen gings dann bei gutem Wetter aber noch ordentlich Wind auf die 3-stündige Fährüberfahrt auf die Lofoten selbst.  Das war schon echt angenehme Erholung, wie eine Minikreuzfahrt.

Nach dem Anlegen ging es dann in den Ort mit dem kürzesten Namen den ich kenne, nämlich Å. Ein sehr alter Fischerort im Süden der Inselgruppe mit fast ausschließlich roten Häusern auf Stelzen direkt am Wasser auf die Felsen gebaut. Absolute Idylle und traumhaft schön, und natürlich Fotomotive ohne Ende, auch wenn sich vieles ähnelt. Die Farbe der Häuser hat mit dem Vermögen der Menschen zu tun. Rot war billig in der Herstellung und von den armen Fischern am meisten genutzt. Dann gibt es noch das etwas teurere Gelb und das ganz teure Weiß, was von den Wohlhabenden genutzt wurde und wird. Die Fischerhütten nennen sich Rorbuer und werden heute mit modernster Inneneinrichtung überall nachgebaut und dienen als Unterkünfte für Touris. Wir hatten eine kleine ursprüngliche und sehr gemütliche Hütte in dem Ort, einem der schönsten Orte. In der sehr ursprünglichen Bäckerei gab’s die besten Zimtschnecken überhaupt, genial 😂. Wir haben das Dorf natürlich ausgiebig erkundet und wie dort überall gab es Unmengen von Stockfischgestellen die tatsächlich noch genutzt werden und sehr viele verfallene, fast Lost Place artige Rorbuer.

Am nächsten Tag sind wir ins nahegelegene Reine gefahren. Auch ein tolles Örtchen mit vielen schönen Ecken, Stockfischgestellen usw. Besonders schön aus der Luft von oben anzusehen. Wie schon gesagt sind wir nicht auf den Reinebringen gestiegen und haben die Drohne fliegen lassen. Wir haben uns dann noch die eine oder andere Inselbrücke und nette Stellen angeguckt, unter anderem das Gelbe Haus vor einem Berg, der aussieht als wenn ein Zwerg mit spitzem Hut seinen Kopf in den Mantel zieht. Ein sehr bekanntes Motiv was natürlich nicht fehlen durfte 🙂.

Am nächsten Tag sind wir weiter gefahren nach Fredvang, wo wir eigentlich den Kvalvika Beach erwandern wollten, aber dann doch gerne verzichtet haben. Wir sind dann nach Ramberg gefahren, wo wir eine recht luxuriöse Campinghütte gebucht hatten. Sehr schön eingerichtet, nur das Bad war etwas, sagen wir ungewöhnlich. Die Tür ging nach innen auf und mit dem ersten Schritt stand man in der Dusche. Tür zu. Duschvorhang vor die Tür ziehen, auf der anderen Seite einen Duschvorhang vor Toilette und Waschbecken zuziehen um dann in einer sehr schmalen Nische zwischen zwei Vorhängen zu duschen. Da das ganze Bad einen ebenen Fußboden mit Ablauf in der Mitte hatte, musste der nächste, der mal auf Toilette wollte, zwingend Schuhe tragen, weil das Wasser von den Vorhängen auf den Boden lief. Hat aber gereicht 🙂. Dafür gab’s dort einen Traumhafen Strand mit kristallklarem türkis schimmerndem Wasser und der bekannten roten Hütte am Strand. Eigentlich nur eine von vielen roten Hütten in toller Kulisse, aber Hotspot 🙂.

Tags darauf gings dann weiter, wie immer durch grandiose Landschaften, entlang der Berge mit Wasserfällen, Regenbögen, Küste, Strände usw. Wir sind nach Nusfjord gefahren, mein absolut größtes Highlight der Reise. Ein Fischerdorf umgeben von hohen Bergen, tolle gelbe und rote Gebäude. Es ist ein Museumsdorf wo man 100 Kronen Eintritt zahlt, das von einheimischen aber noch betrieben und erhalten wird. Touris können dort auch Rorbuer mieten, Autos sind verboten, nur die Betreiber dürfen rein. Parkplätze sind sehr sehr knapp bemessen, getrennt nach PKW und Womos/Bussen. In der Hauptsaison absolut überlaufen, jetzt sehr angenehm verteilt alles. Mein Lieblingsort mit den zweitbesten Zimtschnecken 😂😋.

Am nächsten Tag sind wir von Ramberg in Richtung Svolvaer, dem größten Ort der Lofoten mit ca 24.000 Einwohnern gefahren. Unterwegs haben wir uns bei Regen das Lofoten-Eye oder Devilseye angeguckt, einen kugelförmigen Stein in einem mit Wasser gefüllten Loch im Felsen. In Svolvaer haben wir uns wieder die Stadt angeschaut, da spielt sich wieder alles im Hafenbereich ab, sehr attraktiv.

Am nächsten Tag haben wir dann eine Trollfjord-Tour mit einem Elektro-Katamaran gebucht. Sehr sehr beeindruckend Landschaft mit vielen Regenbögen obwohl wir nicht nass wurden, erst im Trollfjord, einer Sackgasse, gab’s eine Husche. Unterwegs haben wir sehr sehr viele Seeadler gesehen, fantastisch und riesig groß.

Nach der Tour sind wir dann nach Henningsvaer gefahren. Dem nächsten Touri-Hotspot mit dem weltbekannten Fußballplatz auf Felsen auf einer Halbinsel. In einem netten Kaffee mit Tischen und „Zebrastreifen“ in Regenbogenfarben haben wir dann unsere Zimtschneckenchallenge fortgesetzt.

Tags darauf haben wir dann noch einen Teil der Insel befahren und verschiedene Stellen aufgesucht, die in den Reiseführern so erwähnt werden, das Abbruchhaus mit dem Gasmaskenträger als Graffiti, Rolfs Bar, einer unverschlossenen Hütte die von Wanderern usw. als Unterschlupf genutzt werden kann und wo jeder irgendwas dalässt. Diverse Flaschen. Strandgutfunde, Bilder, Sprüche, Gitarre usw. Sehr sehenswert aber nicht zum Übernachten geeignet. Ein großzügiger Bauer hat nebenan einen modernen Turm mit kleinen leeren Räumen gebaut wo Leute mit eigenem Schlafsack mal trocken übernachten können.

Dann gings weiter, runter von den Lofoten auf die Vesteraalen, der Nachbarinselgruppe. Hier entlang toller Strecken bis ganz nach oben nach Andenes, wo wir die schönste Unterkunft im langweiligsten Ort hatten 🙂. Das Wetter war Gott sei Dank genial, Sonne, kein Wind, spiegelglatte See, so dass unsere Whalewatchingtour auch stattgefunden hat. Gar nicht so weit vom Ufer haben wir erst Delphine und dann eine 10 Tiere umfassende Orka-Schule begleitet. Ein unglaubliches Erlebnis!

Im Anschluss sind wir noch an einen Strand in Bleik gefahren wo wir ein paar Glaskugelbilder gemacht haben. Auf einer weiteren Rundfahrt hat Caro dann eine Vollbremsung gemacht weil direkt vor uns ein stattlicher Elch aus dem Busch guckte.  Den haben wir natürlich etwas begleitet im Abstand von ca. 5 bis 6 Metern. Klasse Abenteuer. Wir haben dann noch weitere Elche und Adler gesehen bevor es wieder zurück ging. 

Einen Tag später gings von Andenes zurück nach Bodö, diesmal bei tollem Wetter. Spannend war neben der grandiosen Landschaft eine Fährüberfahrt und der Stopp bei einem der stärksten Gezeitenströme der Welt, dem Saltstraumen. Unglaublich was für eine Geschwindigkeit und Kraft das Wasser bei Ebbe und Flut bekommt. Da bilden sich heftige Strudel, Baden ist tödlich. Man kann auf und unter der Brücke über den Saltstraumen gucken gehen, sehr beeindruckend und sehenswert.

Am nächsten Morgen fuhren wir dann 150 km weiter zum Svartisen Gletscher. Man setzt mit einer Fähre über einen grünen Bergsee, dann haben wir uns ein Rad geliehen und sind 3 km gefahren bis es nur noch 2 km zu Fuß zum Gletschereis waren. Das ging dann aber echt über nackten Felsen, Schotterwegen und durch Bäche in die Berge. Ich habe nach etwa der Hälfte abgebrochen, gut so, es war mir echt zu riskant.  Die anderen sind noch etwas weiter. Caro kam auch schnell zurück, weil es immer steiler, wilder und anstrengender wurde und wir alle keine Kletterer sind. Andy, Daniel und Alex sind noch höher, haben aber aus Zeitgründen und Vernunft auch 900 Meter vorm Eis abgebrochen. Wir mussten dringend zurück um die letzte Fähre ans Festland zu kriegen wo unser Auto stand. Auf dem Rückweg wurden wir dann von einer Mutterkuh angegriffen die ihr Kalb schützen und uns nicht vorbeilassen wollte. Ist voll gegen mein Rad gelaufen. Ich hatte echt Angst bekommen, die kam noch mehrmals kurz auf uns zu gerannt bis wir genug Abstand hatten und letztlich durch Wald und Büsche um sie rum gegangen sind. Was für ein Abenteuer….

Wir sind erst spät wieder in Bodö angekommen, nochmal zu der schon erwähnten Pizzeria gegangen und dann ins Bett. Am nächsten Morgen gings dann zum Flughafen und nach Hause. Das war wirklich einer meiner schönsten Urlaube.